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Lauf 9 und 10 des KTM TnT Cup am Slovakiaring
Leider wurde meine Suzuki nicht ganz fertig, aber zumindest halbwegs fahrbereit war sie, als der Termin zu den Läufen 9 und 10 in der Slowakei anstand. Mit ihrem extremen Bremsfading und der doch relativ schwächlichen Leistungsentfaltung sollte Schluss sein, daher wurde eine gebrauchte Radialbremspumpe geordert und ein Kettensatz mit etwas kürzerer Übersetzung. Die Bremspumpe passte natürlich nicht, weil die Suzukivögel die Gewindesteigung der Hohlschraube geändert hatten, und selbst wenn die gepasst hätte, wären die nagelneuen Stahlflexleitungen zu kurz gewesen. Grummel. Auch das gebraucht geschossene K4-Heck, das nicht wirklich passte und noch dazu einen Riss um die Aufnahme hatte, war nicht wirklich perfekt. Egal, irgendwie hälts schon und drei Dosen Bauhauslack machten den Pfusch komplett.
Eine wichtige Firmenbesprechung am Abreiseabend machten den Stress dann noch zusätzlich zum gebrochenen Unterarm meiner lieben Frau komplett, so fuhr ich erst am nächsten Tag nach ca. 3,5 Stunden Schlaf von Wien nach Dunajska Streda.
Stress ist ja genau das, was man nicht braucht, aber irgendwie gehört das bei mir schon dazu, wobei eigentlich doch immer noch gilt: "Vorbereitung ist alles". Keine Zeit dafür. Um 8 Uhr oder so ruft mich dann Benny schon an, wo ich denn bleibe, da hab ich mir gerade eine Slowakenvignette gekauft und getankt, was sich beides im Nachhinein als echte Geldverschwendung herausstellt. Die Vignette ist für die gefahrene Strecke herausgeschmissenes Geld, und die Tankstelle an der Autobahn war eher noch teurer als die auf der Rennstrecke. Zum Glück jedoch liegt der Slovakiaring wirklich in Steinwurfnähe zu Wien, was die verspätete Anreise nicht so sehr ins Gewicht fallen lässt. Beim ersten Öffnen der Türe des klimatisierten Transporters wäre ich fast umgefallen. Da hatten wir in der Früh schon solche Hitze, dass alle entweder halb nackt oder komplett nassgespritzt herumgelaufen sind. Da wird Motorradfahren zur Härteprüfung werden. Geil das.
Kurze Begrüssung von Benny, den Schuhekers und den beiden lässigen Söhnen vom leider verhinderten Wolfi und die Arbeit beginnt. Ausladen, anmelden, herrichten. Reifenwärmer aufziehen. Reifenwärm.... FUCK!! Reifenwärmer vergessen. Sehr fein. Frag ich halt mal bei KTM nach, die haben eh immer sowas mit, das war der Tip meiner Boxenkollegen. "Geh, habts vielleicht einen Satz Reifenwärmer zum herborgen oder verkaufen?" Ein ansatzloses "NEIN!" trieb mich zum Reifendienst am Ende des Fahrerlagers, wo man leider auch keine Reifenwärmer hatte. Aber ein Doppel-R gibt nicht auf und wird auch nicht hängen gelassen. So schnorrt mir Benny seinen Reserve-KLS für vorne und der Florian borgt mir seinen Reserve-Biketek für hinten. Also alles wieder gut.
Die Wettervorhersage war ja schon echt fein, also warm und trocken, aber dass es die beiden heissesten Tage des Jahres werden sollten, das hätten wir nicht gedacht. Als ich dann meine Regenreifen ausgepackt hab, erntete ich kurzes Gelächter aber ich brauchte ja die Felgen und nicht die Gummis. Zumindest war das die Ausrede, die mir spontan eingefallen ist. Wie auch immer, schön langsam sollte dann mal gefahren werden. Aufgrund relativ geringer Teilnahme an diesem Event (warum auch immer, ich verstehs nicht ganz) war den ganzen Tag quasi "Open Track" ohne Gruppeneinteilung und Qualifying wurde ebenso zusammengelegt wie das Rennen. Hat halt alles Vor- und Nachteile. Der Vorteil war halt, dass man keinen Stress hatte, seinen Turn zu erwischen, sondern man konnte relativ entspannt herrichten und rausfahren. Bei dieser Hitze nicht unbedingt das Schlechteste.
Das Fahren also. Tja nun, ich hab ja noch eine Rechnung mit dem Slovakenring offen, schliesslich hat er mich voriges Jahr mit der Superduke ausgelacht. Am ersten Tag wars heiss und staubig, die Strecke kannte ich natürlich noch nicht und die Superduke ging net so richtig. Tag zwei war damals fett verregnet, ich hatte eine akute Bursitis (SChleimbeutelentzündung) aber fuhr unter Schmerzen an meinem Geburtstag meinen ersten TnT-Pokal ein. *g* Nun, diesmal hat sich der Ring wieder was einfallen lassen. Hitze. Einfach nur massive Hitze. Aber das schreckt mich und meinen Gixxer nicht ab. Also raus das erste mal an diesem Tag. Aufgezogen sind noch die schon mehrere Tage alten GP-Racer (vorne Soft, hinten Medium), bei Asphalttemperaturen von um die 45 Grad am Vormittag dann das zu erwartende Bild. Alles schön grippig, bei Zeiten, die natürlich weit weg von schnell sind. Bissl am Kabel gezogen, gibts schöne Slides. Benny und ich fahren dann rein um beim nächsten Turn gleich wieder rauszufahren um ein wenig mehr Gas zu geben. So der Plan, nur machte ihm der Vorderreifen einen Strich durch die Rechnung. An der Boxenausfahrt sah ich, dass er einen richtig fetten und tiefen Riss auf der Lauffläche bis zur Flanke hatte, so, als hätte man mit einem scharfen Messer reingeschnitten. Damit würd ich und er schon garnicht mehr fahren, also rein und Reifenwechseln ist angesagt. Wenigstens hab ich gleich in den ersten Runden meine Zeit auf der Superduke etwas unterboten, also passts schon. Der nächste Turn ist dann das Qualifying.
Qualifying, das ist so eine Sache. Ich mag es ja eigentlich, aber an diesem Tag gehts irgendwie nicht so richtig. Die Rutscherei (also, so richtig fette Powerslides) hinten machten es mir unmöglich, eine gute Zeit zu fahren und ich hatte dann auch keine Lust mich da abzukämpfen. Dazu kommt die noch massivst ungewohnte -aber nicht schlechte- Sitzposition mit dem neuen Heck. Radstand durch die Übersetzung gut 2 Zentimeter kürzer, Sitz um gute 5 Zentimeter höher. Ich komm nurmehr mit den Zehenspitzen gerade so auf den Boden, ziemlich ähnlich der Superduke, nur dass ich da Stummel und keinen breiten Lenker drauf hab. Vorerst absolut kein Gefühl für Schräglage, permanent die Stiefelspitzen am Asphalt und leider rutsche ich jettz auch am Sitz hin und her. Zusätzlich ist er auch noch gebrochen, was ihn nochmal etwas instabiler macht, aber das ist nicht sooo tragisch. Trotzdem muss ich da nochmal ran. Ja, jedenfalls lief das Qualifying nicht besonders, was sich dann auch in einem dementsprechenden Startplatz niederschlug. Mein Gott, gibt Schlimmeres. Aber jetzt wird mal zu Mittag gegessen, ich hab echt Hunger und Durst. *g*
Nach dem guten Essen sind an der Anzeigetafel über 38°C Lufttemperatur und 55°C Tracktemperatur abzulesen. Alter, das schreit geradezu nach meinen Pirellis. Also wird der GP-Racer runter und der Pirelli Superbike SC1 vorne aus voriger Saison Brünn (hat ja erst zwei Rennen hinter sich) und ein "neuer" Superbike SC1 hinten aus 2008 aufgezogen. Leider geht das nicht ganz so schnell wie gewünscht vonstatten, das Rennen kommt näher und näher. Das bringt mich auch gleich zu einem Punkt, der mich masslos ärgert und nachdenklich stimmt: WER um himmelswillen startet ein Rennen bei 38°C im Schatten kurz nach der Mittagspause, anstatt es gegen Abend zu verschieben, wo dann deutlich geringere Temperaturen herrschten. WAS denkt man sich dabei? Möge der gewinnen, der als Zweithobby Extremsaunieren betreibt? Idiotisch, echt. Aber gut, vielleicht versteh ich es auch einfach nur nicht. Eine Proberunde mit den neuen Gummis geht sich nicht aus, ein paar Minuten sind die Reifenwärmer drauf, das muss reichen. Schliesslich gibt es ja die Inlap und die Warmup-Lap. Geil, wie der Gixxer zu handeln ist. Wieselflink, keine Zicken, kein Rutschen. Hoffentlich überlebt das der Gummi. In der Startaufstellung dann hinter der ganzen Einzylinderfraktion, neben Klaus auf seiner SD und weiiiit entfernt von meinen direkten Konkurrenten ernte ich fragende Gesichter und ein wenig Schadensfreude, kommt mir vor. Aber was solls, sie waren schneller als ich, also passt das schon so. Dann kommt relativ bald (zum Glück war das wirklich flott) der Start.
Die Ampel geht auf rot, sie geht aus und es geht los. Trotz rupfender Kupplung erwische ich einen sehr guten Start, fahre ziemlich weit vor und biege direkt im Pulk der üblichen Verdächtigen wie Benny, Werner, Uwe, Hermann und Co. in die erste Kurve ein. Es ergibt sich ein rundenlanger Fight mit einem Kollegen des HGP-Teams, der sehr fair und kräfteraubend aber auch saugeil war. Leiiiider hatte ich da meine Kamera nicht montiert, aber der wäre filmreif gewesen. Meine kleine 750er musste sich echt mächtig abmühen, mit der doch recht neuen und starken R1. Was mich aber wirklich überrascht hat, waren die Reifen. Die haben geklebt wie Pattex, machten absolut keine Mucken und auch das noch immer über 10 Jahre alte Serienfahrwerk kam mit den extremen Bedingungen sehr gut zurecht. Ich konnte das Duell dan im Endeffekt doch für mich entscheiden, was mich ganz besonders freute, da es ja eindeutig mehr Spass macht, mit einem direkten Konkurrenten zu fighten, als mit einem Fahrer aus einer anderen Klasse. Ausserdem machts gegen eine R1 mehr Spass als gegen eine RC8-R, weil die Charakteristik ähnlicher ist. Nachdem die 10 Runden Hitzeschlacht vorbei war und ich die karierte Flagge gesehen hab, musste ich mir sofort das Leder aufreissen und ich konnte es nichtmehr erwarten, in die Box zu kommen. Endlich vom Motorrad, drinnen im Schatten bekam ich echte Beklemmungen musste unbedingt aus dem Leder. Mein Kreislauf drohte zusammenzubrechen, ich war einfach fix und fertig. Die (fehlende) Nacht hat sich gerächt. Kopf unter das kalte Wasser, einfach versuchen runter zu kommen. Da die Zeitnahmemonitore in der Box zwar echt lässig sind, aber das, was man drauf sieht, teilweise echt nur Schrott ist, wusste ich auch nicht, wo ich stand. Keine Ahnung, wieviele vor oder hinter mir ins Ziel kamen und es war mir in dem Moment auch egal, meinen Fight hab ich gewonnen und ich bin sitzen geblieben. Dann hab ich meinen Reifen gesehen. Unglaublich, sieht aus wie neu. Als wäre der eine Runde alt. Und hat gerade ein 10-Runden Rennen hinter sich bei über 50° Asphalttemperatur. Geil das.
Nachdem ich mich dann endlich wieder halbwegs gefangen habe beschliesse ich auf eine weitere Fahrerei zu verzichten und genehmmige mir das erste Bier, welches mir Flo aus seiner Heimat mitgebracht hat. Kühl, blond, bierig, ok. :-) Der restliche Tag bis zur Siegerehrung recht ereignislos und weiterhin heiss, nachdem ich den Pokal für den zweiten Platz yipiiieh! in meiner Klasse übernommen habe wird in der Box geschraubt, getratscht, getrunken und bei Einbruch der Dunkelheit auch schon mal unabsichtlich geschlafen. Dazwischen probieren wir noch Williamsbirnenschnaps, spielen mit Laptimer und Computer herum und es wird relativ zeitig schlafen gegangen. Tag 1 also erfolgreich abgeschlossen.
Tag 2 beginnt wie immer mit dem Trällern des Telefons, etwas Körperpflege sowie Kaffee und Redbull. Es ist schon in der Früh wieder wärmer als den restlichen "Sommer" davor, aber etwas kühler als am Vortag. Der Zeitplan ist wieder "open track" bis zum Qualifying, danach Pause, dann wieder in der Mittagshitze das Rennen. Für diejenigen, die die Termine als lästiges Übel ansehen und sofort nach den Rennen die Zelte abbrechen und noch vor der Siegerehrung abrauschen mag das ja ganz lässig sein, ich find das echt zum Scheissen. Die Rennen sollten eigentlich der Höhepunkt und Ausklang des Tages sein. Fast keiner der Rennteilnehmer fährt nachher noch auf die Strecke, damit verschenkt man eigentlich den Grossteil der Nenngebühr. Wäre das Rennen am Ende des Tages, dann wären da vielleicht auch Zuseher und die Zeiten auch ein wenig besser. Hätte, wäre, könnte... wie auch immer, mir gehts auf die Eier, denn ich sehe den Termin nicht als notwendiges Übel an, sondern freue mich auf die Rennen und hätte gerne vorher ein paar Turns ohne Stress absolviert. Wie gesagt, nach den Rennen, geh ich -wie viele andere auch- grundsätzlich nichtmehr auf die Strecke. Schon alleine, weil ich mich dann voll ausgepowert hab, nach einem erfolgreichen Rennen auch im Normalfall sofort einen Radler oder ein gutes, kühles Bier zu mir nehme und dann eigentlich auch nix mehr auf der Strecke zu suchen habe. Aber gut, ich bin ja auch nicht so ein Profirennfahrer, die nur für das Quali und das Rennen quer durch Europa fahren.
Auf der GSX-R sind noch immer die Reifen aus dem Rennen drauf, es ist aber deutlich kühler (rund 10°C) und ich versuche mal einen Turn. Irgendwie gehts nicht so richtig wie im Rennen, bin so weit ich mich erinnere mit so 2:25 unterwegs, was deutlich langsamer als im gestrigen Hitzerennen ist. Aber nicht so schlimm, ist ja schliesslich der erste Turn am heutigen Tag und ein wenig Rutscherei am Hinterrad gibt mir etwas zu denken. In der Box dann war es mir klar. Der SC1 ist beiderseitig voll aufgerissen, ich werd wahnsinnig. Ein paar Runden, nur ein paar Grad weniger und er reisst auf wie irre. Den will ich aber noch retten, also runter damit, einen alten, zwei Rennen alten SC2 drauf, und dann nochmal Reifenwechseln, weil ich Depp statt dem Dunlop den SC1 von der Felge genommen habe, war doch mein Plan, das Training noch mit SC2 zu fahren, in der Hitze des Mittags wieder den SC1 reinzustecken. Na jedenfalls den Fehler korrigiert, den Reifendruck angepasst und mit dem 1er vorne und dem 2er hinten wieder raus. Geht schon mal besser. Aber es wird auch schon wieder immer wärmer. Ein paar Runden noch mit dem Florian, der mit Wolfis komischer RC8 unterwegs ist, die nicht gerade sonderlich gut im Futter zu stehen scheint. Trotz allem muss man die Leistungen von dem jungen Wilden durchaus hervorheben. Erstes Mal auf dieser Strecke, fremdes, komisches Motorrad und dafür wirklich ordentlich unterwegs. Fussrasten, Schalt- und Bremshebel sowie Verkleidungsunterteil angeschliffen. Aber ordentlich. Auch was die Rundenzeiten betrifft, durchaus im grünen Bereich,... Jaja, die Jugend halt.
Dann noch ein paar Runden mit dem kleinen Schuh, der schön langsam wieder mit der Superduke zurecht kommt und sich mehr auf die Linienwahl und Fahrtechnik als auf schönde Rundenzeiten konzentriert. Mike wirft dazwischen mal einen seiner SR-Racing-Endtöpfe von der SMC, Benny verbrennt mit seinem Auspuff seinen Verkleidungsunterteil und beim Gixxer bricht der Höcker immer weiter. Dann steht das Qualifying an und wir machen uns auf den Weg. Keine Ahnung wann das genau war, aber jedenfalls kam die blaue RC8 von Flo wieder am Schandkarren mit einem weiteren Spritmangel an die Box, und auch Benny meinte, dieses exklusive Service mal in Anspruch nehmen zu müssen. Hat was. Schnell eine fette Runde mit leerem Tank in den Asphalt gebrannt und dann mit Chauffeur im Cabrio wieder retour zur Box.
Ich fahre natürlich auch mein Qualifying, wobei ich mir vornehme, nur ein oder zwei flottere Runden zu drehen, um mich und das Material fürs Rennen zu schonen. Es läuft ganz gut, wieder näher an die Zeiten im gestrigen Rennen ran, also wieder rein, als ich sehe, dass das YART-Satelliten-Team aka HGP auf R1 zum Quali rausfährt. Na gut, dann fahr ich auch noch eine Runde mit, schau mir das mal an und häng mich hinten rein. Kann relativ gut mithalten, fahr also noch zwei Runden mit, geht schön mitzuhalten und als ich mit meiner Zeit zufrieden war, bin ich auch wieder rein. War eine gute Entscheidung, denn so hab ich die Qualifyingschmach des Vortages wieder ausgeglichen und diesmal vor den Einzylindern und meinen direkten Konkurrenten in der Offenen Klasse gestanden. Dritte Reihe ganz links, also Platz 9 gesamt. Schön das, so kann man dann zufrieden zu Mittag essen.
Nach guter Pasta "Nudeln mit Käse streicheln", Salat und einem Nogger gehts dann wieder zurück zur Box, wo noch immer mein Motorrad wartet, und zwar auf eine Reparatur des Höckers. Und auf Sprit, und und und. Die Kameras müssen noch gefunden und aufgeladen werden, das Hinterrad gewechselt... Ist ja noch Zeit. Oder halt, doch nicht. Höcker wird demontiert, keine praktikable Lösung in Sicht und ich finde mich schon fast damit ab, in der Schranzhocke das Rennen zu fahren, bis ich im Auto einen 2-K-Flüssigdübel für Hohlraumziegel finde. Der härtet so schnell aus, dass wir sogar davon überrascht wurden, denn schliesslich müssen noch zwei Lagen Geschirrtuch zwischen die Dübelpampe. Unglaublich, aber das Zeugs hält. Das hält wirklich und voller Freude montiere ich das Heck wieder, wobei ich mir eine Setzmutter aus dem Heckrahmen reisse, und das neu reparierte Heck jetzt wieder locker ist. Und das ein paar Minuten vor dem Öffnen der Boxengasse zum Vorstart. Patsch und krach hau ich vor Zorn auf das Sitzmoosgummikissen worauf es einen neuerlichen Bruch gibt, aber diesmal an einer anderen Stelle. Das improvisierte Gefrickel hat gehalten. Ach, pfeiff drauf, das geht schon, also den Sitz mit nur drei Schrauben fixiert, Kamera draufgepickt und in letzter Minute noch raus auf die Startaufstellung. Ich stehe in der dritten Reihe links, und die erste Kurve ist eine Rechts, wo man selbst mit stehendem Start schon mit einem ordentlichen "Hadern" hinkommt. Dort fühl ich mich nicht so wohl, aber mal sehen, wie es geht. Am Vorstart erwisch ich es eigentlich recht gut, ich ignoriere den wie immer am Hinterrad herumprollenden Machtlinger und biege relativ gut ins erste Eck ein. Dann werden alle wieder langsamer. Dieses Gezuckel in der Warmup-Lap macht mich narrisch. Im Idealfall fährt man die etwas langsamer als Renn-, aber nicht in Schritttempo. Keiner will der Erste am Grid sein, und lassen sich also schön Zeit und das ist nicht Sinn und Zweck dieser Runde. Irgendwann kommen dann alle wieder an ihren Startplatz, die Ampel geht an und es geht LOS!
Ich erwische einen guten Start, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich statt in den Zweier in den Leerlauf schalte und wie in Zeitlupe Platz um Platz verliere. All das auf ein paar hundert Meter. Das ist echt deprimierend, weil da bist Du vollkommen machtlos. Es ziehen Kollegen vorbei, die Du sonst überrundest und musst dann natürlich, wenn Du endlich Fahrt aufgenommen hast an all denen wieder vorbei. Und so huschen mir auch eine Ducati 848 Evo (die übrigens in der kleinen Klasse fährt, aber ich mit der ranzigen 750er in der grossen *toctoctoc*) und der Josef Frauenschuh mit seinem Eintopf vorbei. Der Josef ist ja ein bekannt guter Starter und harter Fighter, aber am Slovakiaring ist das zwar beeindruckend aber auch sehr nervig, weil vorbeikommen tust ganz sicher, aber eben nicht gerade einfach. So hatte ich das Problem, dass ich mir die 848 regelrecht "herrichten" musste, da ich leistungsmässig keine Chance hatte, vom Fahrwerk her bin ich auch nicht gerade im Vorteil, also muss ich mit einer recht kreativen Linienwahl versuchen möglichst viel Speed aus einer Kurve mitzunehmen um dann am Ausgang mit etwas Überschuss vorbei zu huschen. Schön hergerichtet in der langen Rechts im Infield, rangezoomt, weit gegangen damit dann in der folgenden, zweiten, engen Links am Ausgang vorbei zu gehen. Tja, klar, wäre sicher aufgegangen, wenn da nicht der Josef wäre, für den eine jede Lücke mit annähernd Motorradbreite eine Einladung zum Reinstechen darstellt, die er auch sehr gerne und ohne Verzögerung annimmt. *kreisch* Das kann ja net wahr sein! Ist es aber, und darum dauerd dieser Fight mit zwei nicht in meiner Klasse fahrenden Kerls nahezu die ganze erste Runde, was dann zur Folge hat, dass ich die davor zwar noch sehe und auch erkennen aber leider nicht mehr einholen kann. So ist auch mein Rennen dann in kurzen Worten auch schon beschrieben. Ich fahre nach ein oder zwei weiteren Überholmanövern bis auf die Überrundungen alleine gegen mich und meine Kondition. Da ich aber fürs Rennen doch den SC2 hinten gelassen hab, kämpfe ich auch noch gegen den immer stärker werdenden Wheelspin, was aber echt Spass macht. So lerne ich halt einfach Powersliden. Hier muss ich einfach wieder mal Pirelli loben, so ein harmonischer Reifen, super kontrollierbar und angenehm zu fahren... Hut ab. Ich denke, ich werde nächste Saison wieder von Dunlop in Richtung Pirelli wechseln, wenn das so bleibt.
Nachdem das Rennen abgewunken wurde, war ich noch überraschend fit, machte mich auch auf einen komplett zerfetzten Reifen gefasst und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass der Hinterreifen nahezu vorbildliches Tragbild zeigte. Absolut frei von irgendwelchen Ansätzen von "Aufreissen" oder irgendwelchen Kanten in der Kontur. Sieht aus wie neu. Und das mit 10 Jahre altem Serienfahrwerk bei doch halbwegs aktzeptablen Rundenzeiten bei dieser Hitzeschlacht. Das hat mich dann über den durch meinen verkackten Start verlorenen weil eben nicht entstandenen Fight mit Hermann vom HGP-Team hinweggetröstet und obwohl ich mich fürchterlich hergebrannt gefühlt hab, war ich zufrieden mit dem Ausgang. Dann schau ich auf den Zeitenmonitor und breche für einen Sekundenbruchteil in Jubel aus, denn da wäre ich ja glatt auf einer Spitzenpositon gewesen, nur leider stand dort ein Ergebnis mit NULL Runden und so hat sich meine überschwengliche Freude genauso schnell wieder gelegt wie sie aufgekommen war. Hermann kam dann auch noch stolzesgeschwollener Brust rüber zu mir und erkundigte sich mit einem fetten Grinser nach meinem Befinden und nach einem kurzen Plausch meinte er dann im steirischen Slang "mia segn uns doun eh am Stockal", worauf ich dann wohl wirklich blöd dreingschaut haben muss. Er hat mir dankenswerter Weise dann noch erklärt, dass ich seinen Teamkollegen Uwe noch halten konnte, und daher wieder mal Dritter in der Offenen Klasse geworden bin. Das freut wieder besonders.
Die ersten beiden Biere aus Bennys Tiefkühlfach im Wohnwagen waren wieder mal eines der Highlights des Tages und so ward beschlossen, dass nimmer gefahren wird. Guat is gaungen, nix is gschehn! Nach der Siegerehrung noch ein bissl Smalltalk, Nachbetrachtung und gemütliches Beisammensein, bis dann Mike, der dann noch Softball mit Mädchen spielen muss, mit dem Aufräumstress beginnt. Benny lässt sich davon traditionell sehr leicht anstecken, die Seifriedschen Burschen sind da voll mit dabei, schliesslich haben die noch eine echt lange Heimreise und ich, ja ich bin wie immer der Langsamste und muss die weibliche Putzkolonne mit meinen rudimentären Ungarischkenntnissen daran hindern, meine Hightech-Ausrüstung als Müll abzutransportieren.
Benny und ich essen im Ringrestaurant noch ein gepflegtes Abendmahl, wobei ich mir mit Mozzarella überbackene Schweinsfilets mit Reis und einen Radler genehmige und Benny mit Pizza und Sprite im Bauch dann die gemeinsame Heimreise antritt. Wir fahren wie meist im Konvoi die paar Kilometer in Richtung Wien (es ist echt sooo geil nah!), stellen den Wohnwagen ab, trinken noch schnell ein Bier und begeben uns dann von dort jeweils ins Heim zu Frau und eventuell vorhandenen Kindern.
Dauert ja nimmer lang bis Brünn, und da hoffe ich, dass es trocken bleibt, dann wird das ein würdiges TnT-Finale, auf das ich mich schon sehr freue.
Und zum Schluss noch die ersten paar Minuten des 10. Laufes zum KTM TnT Cup 2011 in der Klasse Open1200.
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Doppel-R, #60
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| Arme Susi, so ganz nackig am Arsch. Nicht schön. |